{"id":858,"date":"2019-11-17T13:04:45","date_gmt":"2019-11-17T13:04:45","guid":{"rendered":"https:\/\/idaflieg.de\/?p=858"},"modified":"2019-11-21T13:21:30","modified_gmt":"2019-11-21T13:21:30","slug":"trudelerprobung-d-43","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/idaflieg.de\/?p=858","title":{"rendered":"Trudelerprobung D-43"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Flugerprobung eines Flugzeuges beinhaltet viele kritische Erprobungspunkte. Flugversuche bei denen sich der Ausgang des Versuchs zwar absch\u00e4tzen, eine Gefahrensituation mit Chancen auf Besch\u00e4digung oder Verlust des Flugzeugs aber nicht ausschlie\u00dfen l\u00e4sst. Hierzu geh\u00f6ren neben dem Erstflug und der Flattererprobung auch das Trudeln. <br>Um das Flugverhalten der D-43 in diesem Flugzustand zu erproben und die notwendigen Flugeigenschaften dem Luftfahrbundesamt gegen\u00fcber nachweisen zu k\u00f6nnen hat die Akaflieg Darmstadt dieses Jahr die Trudelerprobung durchgef\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Au\u00dfentrudeln.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Trudeln ist ein Flugzustand bei dem das Flugzeug nach\neinem einseitig auftretenden Str\u00f6mungsabriss in eine Form der Autorotation\nverf\u00e4llt und in einer steilen Spirale rapide an H\u00f6he verliert. Das\nTrudelverhalten ist dabei sehr stark abh\u00e4ngig von der Geometrie und der Massenverteilung\ndes Flugzeugs. Somit unterscheiden sich Umdrehungsgeschwindigkeit,\nAnstellwinkel und H\u00f6henverlust pro Umdrehung von Flugzeug zu Flugzeug stark.\nAuch das Verhalten beim Ausleiten ist je nach Flugzeugmuster verschieden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da die Geometrie des Flugzeugs durch die Konstruktion\nvorgegeben ist, lassen sich die Trudeleigenschaften hauts\u00e4chlich durch eine\n\u00c4nderung der Massenverteilung im Flugzeug anzupassen. Allgemein gilt: Je weiter\nder Schwerpunkt des Flugzeugs vor dem Auftriebsmittelpunkt liegt, desto\nstabiler fliegt das Flugzeug. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Falle des Trudelns bedeutet das, dass das Flugzeug\nsteiler, also st\u00e4rker gegen den Boden geneigt trudelt. Die Neigung im Trudeln\nzu bleiben wird bei vorderen Schwerpunktlagen zudem geringer. Die Neigung in\neine Steilspirale zu verfallen steigt. Eine Steilspirale birgt die Gefahr, dass\ndas Flugzeug bei hohen Sturzgeschwindigkeiten abgefangen werden muss und dabei\nseine Strukturgrenzen \u00fcberschritten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei stark hinterer Schwerpunktlage kann es dazu kommen, dass\ndas Flugzeug kaum aus dem Trudeln herauszubekommen ist. Das Flugzeug ger\u00e4t in\neiner solchen Konfiguration meist in eine sehr flache Autorotation. Die Ruder\nund Fl\u00e4chen werden dabei mit hohen Anstellwinkeln angestr\u00f6mt. Dies f\u00fchrt zu\nschlechter Steuerbarkeit, im schlimmsten Fall reagiert das Flugzeug gar nicht\nmehr auf Steuereingaben. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ziel der Trudelerprobung ist es nachzuweisen, dass sich das\nzuzulassende Flugzeug in allen Schwerpunktlagen und Konfigurationen (Fahrwerk\nbzw. Bremsklappen eingefahren\/ ausgefahren) noch hinreichend steuerbar ist und\nsich wieder z\u00fcgig in eine normale Fluglage bringen l\u00e4sst. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Risiken zu minimieren haben wir uns dazu entschieden zun\u00e4chst\n\u00dcberziehversuche durchzuf\u00fchren und das Flug- und Abkippverhalten vor dem\neigentlichen Trudeln zu erproben. Hierbei hat sich gezeigt, dass die D-43 ab\neiner Schwerpunktlage von 330mm hinter Bezugsebene erste Tendenzen hat einen\neinseitigen Str\u00f6mungsabriss auszubilden. Dies gab uns einen guten Anhaltspunkt,\nbei welchen Schwerpunktlagen wir die eigentliche Trudelerprobung beginnen\nsollten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erprobungsplan sah vor, mit einer mittleren\nSchwerpunktlage zu beginnen, welche hinter der zuvor Ermittelten Grenze von\n330mm liegt. Anschlie\u00dfend sollte der Schwerpunkt in kleinen Schritten bis zur\nhinteren Schwerpunktlage variiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-video\"><video controls src=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/D-43-Schirm.mp4\"><\/video><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Risiken weiter zu minimieren haben wir eine Trudelkomforte\nam Leitwerk der D-43 angebracht. Dabei handelt es sich um eine Halterung aus\nGlasfaser, welche bis zu 1,5 kg Sand und einen kleinen Fallschirm tragen kann.\nSowohl Sand als auch Fallschirm sind dabei aus dem Cockpit abwerfbar bzw.\nausl\u00f6sbar. <br>\nDie Idee hinter dieser Komforte ist, dass man durch das Abwerfen des Sandes den\nSchwerpunkt in den kopflastigen (stabileren) Bereich bewegen kann und der\nFallschirm durch seinen Str\u00f6mungswiderstand das Leitwerk nach oben zieht.\nHierdurch soll der Anstellwinkel verringert werden und die Anstr\u00f6mung der\nRuderfl\u00e4chen verbessert werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Begonnen wurden die ersten Fl\u00fcge von Werner \u201eMikro\u201c Scholz. Er Startete mit einem Schwerpunktbereich von 373mm h.BE. Die Flugversuche werden in etwa 3000m H\u00f6he begonnen. Nach 3-4 Trudelversuchen a 2-5 Umdrehungen kommt man auf die Sicherheitsh\u00f6he von 1000m wo die Versuche unterbrochen werden und das Flugzeug zur Landung bewegt wird. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Werner \u201eMikro\u201c Scholz konnte gute Ausleiteigenschaften beim\neingestellten Schwerpunkt bescheinigen und lie\u00df sich nicht beirren gleich die\nersten Piloten zur Trudelerprobung auszubilden. <br>\nDie n\u00e4chsten Erprobungsfl\u00fcge wurden von Erik \u201eHolle\u201c Braun und Stefan\n&#8222;Zischi&#8220; Zistler durchgef\u00fchrt. Erst zu den hintersten\nSchwerpunktlagen wurde das Cockpit wieder mit dem, in der Flugerprobung\nerfahreneren Werner \u201eMikro\u201c Scholz besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 35 Trudelversuchen und 84,5 Trudelumdrehungen in denen wir 12230m abgebaut haben, konnten wir das Trudelverhalten von den Schwerpunktlagen 260mm h.BE. bis 422mm h.BE. erproben und unproblematisches Flug- und Trudelverhalten attestieren.  Der H\u00f6henverlust pro Trudelumdrehung hielt sich zwischen 75m und 200m. Hierbei m\u00fcssen allerdings noch etwa 100m-200m zum Abfangen des Flugzeugs hinzugerechnet werden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"769\" height=\"460\" src=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-863\" srcset=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust.png 769w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-600x359.png 600w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-300x179.png 300w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-700x419.png 700w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-520x311.png 520w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-360x215.png 360w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-250x150.png 250w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/H\u00f6henverlust-100x60.png 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es hat sich weiter gezeigt, dass die D-43 etwa 0,35 Umdrehungen nachdreht, also etwa 130\u00b0 nach Einleitung des Steuerbefehls zum Ausleiten, die Drehung stoppte. Dies ist ein recht guter Wert f\u00fcr ein gro\u00dfes und schweres doppelsitziges Segelflugzeug. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"865\" height=\"483\" src=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-864\" srcset=\"https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen.png 865w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-600x335.png 600w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-300x168.png 300w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-768x429.png 768w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-700x391.png 700w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-520x290.png 520w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-360x201.png 360w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-250x140.png 250w, https:\/\/idaflieg.de\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Nachdrehen-100x56.png 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 865px) 100vw, 865px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Somit ist das Sommertreffen 2019 sehr erfolgreich f\u00fcr uns abgelaufen. <br> Wir haben es geschafft alle notwendigen Erprobungsfl\u00fcge durchzuf\u00fchren um die Zulassung der D-43 voranzutreiben und nebenbei 2 Piloten ausbilden k\u00f6nnen die Trudelerprobung durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Autor: Andreas Wieskamp, Akaflieg Darmstadt<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Flugerprobung eines Flugzeuges beinhaltet viele kritische Erprobungspunkte. 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